Zwischenstand

Auch ich war einmal ein schüchternes Kind, das nicht auf die Bühne mochte. Und es dennoch wollte- sich aus dem Panzer schälen, ins Licht der Scheinwerfer treten. Denn dort oben herrscht die Freiheit des Ausdrucks.

 

 

 

In Namibia dient die Sonne als Scheinwerfer. Die ganze Welt ist Bühne, besonders hier. Die Menschen sind ausdruckstark in Gesten und Worten, allein das Gespräch mit dem Taxifahrer klingt wie Musik.

 

 

 

Ich kam hierher mit meiner Mission: Creabuntu- mein Kunstprojekt. Das hört nicht auf, wenn ich nun nach Deutschland reise, es fängt erst richtig an. Ich arbeite mich durch den Papierkram, um meine Hilfsorganisation zu starten. Hier in Namibia: eine Kunstschule für Kinder und Jugendliche.

 

 

 

Es geht nicht darum, dass die Kinder einmal künstlerische Berufe ergreifen. Es geht um kreative Fähigkeiten: Der Schritt ins Licht, ein schüchternes Kind lernt sich auszudrücken, laut zu sprechen, klare Gesten zu setzten. Die Erkenntnis über seinen Schatten zu springen lässt es innerlich wachsen.

 

 

 

Oder darum während dem Zeichnen und Malen Sorgen und Ängste loszulassen und auf Papier zu bannen. Sich mit der eigenen Kultur zu verbinden, zu singen, zu tanzen. Texte zu verstehen und auswendig zu lernen für ein Theaterstück. Ein Team zu sein, die anderen Kinder zu motivieren. Gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

 

 

 

Ich habe eine Vision und ich sehe sie vor mir. Ein Ort, an dem Kinder frei lernen und kreativ sein können. Staffeleien und Material stehen herum, ich sehe ein Studio, es duftet nach Ölfarben. Ich erblicke eine Bühne mit rotem Vorhang: hier finden Aufführungen statt. Die kompletten Gebäude der Schule sind bunt, wie Katutura selbst. Aufregung und Freude, hier in meiner Kunstschule- Und: Freiheit.

 

 

 

All das sehe und fühle ich.
Doch wie geht es nun konkret weiter mit Creabuntu?
Sobald meine Organisation angemeldet ist, kann ich starten. Die Papiere werden diese Woche im Ministerium eingereicht.

 

 

 

Das heißt für mich, in Deutschland die Finanzierung zu klären.

 

 

 

Dann kehre ich nach Namibia zurück und fange an, indem ich die Workshops zu den Kindern in Schulen und After-School-Programms bringe. Ich habe schon ein paar lokale Künstler mit an Bord- das Netzwerk wächst.

 

 

 

Während die Workshops laufen, kann ich nach einem Standort für die Schule suchen.

 

 

 

Katatura hat mich- ich fühle mich zuhause dort- am richtigen Ort.

 

 

 

Ich liebe, was ich tue: Theaterworkshops.

 

 

 

Proben mit den Kindern, die vielen großen und kleinen Befindlichkeiten, ich lerne selbst dabei und mache viele Erfahrungen: Der Junge, der zehn Minuten vor der Aufführung nicht auftreten wollte; erst wusste ich nicht was tun, dann motivierte die ganze Truppe den kleinen Schauspieler. Am Ende fand ich die Kids betend im Kreis stehen und das Theaterstück zu Valentinstag wurde ein Erfolg. Lampenfieber ist nervenaufreibend, schweißt aber auch zusammen.

 

 

 

Manchmal muss ich von einer Minute auf die andere eine Lösung finden, anderes Mal einen Schrei loslassen.

 

 

 

 Die letzte Woche meiner Testphase bricht an und ein Highlight wird sein, dass wir am Freitag 15 Kinder von Katutura ins National Theater Namibia mitnehmen- wir schauen zusammen ein Musical an. Das ist ein kleines Geschenk an die talentiertesten Kinder, damit sie sehen, wie sich Theater live anfühlt.

 


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