Finale an der Dr. Frans Indongo Schule

 

 

Die Woche beginnt produktiv und voll kreativer Energie. Draußen zeichnen die Jungs mit Hage Storyboards zum Thema Mobbing, ein Thema, zu dem wir mit der Theatergruppe ein Stück improvisieren.

Die Gruppe von Künstlerin Elisia arbeitet ruhig und konzentriert. Die Mädchen lieben die Arbeit, sagen sie. Sie sind vertieft in das Formen ihrer Skulpturen: Traditionelle Alltags-Gegenstände: Eine junge Künstlerin fertigt einen Gürtel an, inspiriert vom Gürtel ihrer Mutter. Das Pappmaché aus Toilettenpapier und Kleber hat eine weiße weiche Konsistenz und ist nicht so grob wie Zeitungspapier. Wie von Wind und Wasser geschliffene Knochen erscheinen die Figuren, die in der Sonne trocknen.

 

 

Die Proben zum Theaterstück laufen gut. In der ersten Szene sehen die Zuschauer wie Ian von seiner Mutter angeschrien wird. In der zweiten Szene verwandelt sich der verängstigte Junge dann selbst in den Täter, er drangsaliert seine Mitschüler, besonders Cecilia, ein zartes Mädchen, das sich nicht traut, jemandem von den Hänseleien zu erzählen. Ihre Freundin ermutigt sie, mit der Schuldirektorin zu sprechen. Darum geht es in dem Theaterstück, wir möchten so anderen Jugendliche ermutigen, nicht zu schweigen, wenn sie gemobbt werden.

Die Rollen sind verteilt, ich mache ein Einzel-Stimm-Training mit jedem Schauspieler. Sie sollen lernen, laut zu sprechen. Besonders Veronica, unsere Moderatorin tut sich schwer. Schön zu sehen, was sich nach einem Tag Stimmtraining verändert. So arbeiten wir auf die Aufführung hin, die Stimmung ist gut. Elzaan, die Theaterlehrerin zufrieden.

 

 

Doch dann der Tiefpunkt:  Künstlerin Elisia vergisst ihr Drahtschneide-Messer in der Halle und am nächsten Morgen ist es verschwunden. Gestohlen. Anders kann sie es sich nicht erklären. Es wäre fatal, wenn eines der Kinder das Messer in die Hände bekommt. Kein guter Gedanke. Wir melden den Diebstahl im Sekretariat. Als wäre das nicht schon genug, taucht die Hälfte der Theatergruppe nicht auf. Schulterzucken von den anderen, auf die Frage, wo der Rest der Truppe sei. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt, was machen wir, wenn die Kids nicht zur Aufführung erscheinen?

Wir proben mit den Kindern, die da sind, und die anderen Rollen übernehmen. Doch die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Auch Elisia scheint unglücklich, über den Verlust ihres Messers.

 

Am nächsten Tag haben wir einen Plan B ausgetüftelt, Ersatzbesetzungen für die Rollen festgelegt, und Elisia kann auch schon wieder lächeln.

Wir schmieren Sandwiches und warten in der Halle, als die gesamte Theatertruppe auftaucht. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Warum die Kids nicht erschienen sind, erzählen sie nur vage. Eva feierte Geburtstag, ein paar andere mussten im Haushalt helfen. Das ist eben so eine Sache hier, wenn den Eltern auf einmal einfällt, dass die Kinder etwas erledigen müssen, gibt es kein nein.

Zwei Jungs mussten ihre Karte für die Elektrizität aufladen. Manche Haushalte haben eine Prepaid-Karte, die sie in den Stromkasten stecken, der Strom muss also im Voraus bezahlt werden. Das Leben in dieser Gegend ist nicht zu vergleichen, mit dem in Deutschland. Es geht oft ums Über-leben.

 

 

Engagiert sind die Kinder bei den Proben dabei und das Theaterstück nimmt Gestalt an. Im Laufe der Woche taucht auch Elisias Messer wieder auf, sie findet es in einer vergessenen Plastiktüte wieder.

 

 

Die Aufführung

 

Die Halle ist bereit, Hulda, Projektleitern von SCORE , ist gekommen, um sich alles anzusehen. Hulda war es, die mich mit der Dr. Frans Indongo Schule verband.

Und die auch in der Community von Okahandja Park lebt. Ich bin dankbar, dass sie Creabuntu unterstützt.

 Aufregung hinter der Bühne. Die Schauspieler stecken alle in ihren Kostümen.  Bunt leuchten die Pappmaché-Figuren auf den Tischen am hinteren Ende der Halle. Zeichnungen hängen an Stellwänden, sie erzählen von Mobbing. Auf einer ist eine Figur zu sehen, die von vielen Händen beinahe auseinander gerissen wird. Zwei ältere Schüler haben sich dem Thema Wasserverschmutzung angenommen. Ein großes Problem in manchen Gegenden. Und ein aktuelles Thema, denn Hepatitis E ist in abgelegenen Teilen von Katutura ausgebrochen, durch Wasserverschmutzung. Das nur am Rande.

Es ist der große Tag und Aufregung liegt in der Luft. Vor der Halle befindet sich eine Schülertraube, und wartet lärmend auf den Einlass, den Hulda übernimmt. Binnen Sekunden ist die Schulaula voll und platzt aus allen Nähten, die Schuldirektor erscheint als letztes und es kann losgehen. Bühne frei!

Hochkonzentriert zeigen die Schauspieler, was sie gelernt haben. An manchen Stellen gibt es ein paar Lacher und Redaktionen von den Schülern. Moderatorin Veronica bringt am Ende des Theaterstücks eine kleine Diskussion über Mobbing in Gange.  Anschließend stellen die Bildenden Künstler ihre Werke vor. Der Schuldirektor zeigt sich zufrieden und Creabuntu darf wieder kommen, um dort Workshops abzuhalten.

 

Traurig, dass es nun zu Ende ist, glücklich, dass es ein Erfolg wurde.