Am Nabel der Welt
Meine Freundin Gunhild nennt Namibia den Nabel der Welt. Warum? Weil der Nabel ein Relikt von dem ist, was vorher war. Was wichtig war. Und vor 500 Millionen Jahren gab es hier Gondwana. Steinplatten schoben sich zu einem Kontinent zusammen, der später Afrika bildete. In Namibia sieht man dieses Gestein – sogar in Gunhild und Friedhelms Garten. Das ist Modder vom Ozeanboden, der sich verfestigt hatte. Hier wird nicht nur an der Oberfläche gekratzt, nein, Gunhild berichtet ausführlich von der geologischen Geschichte des Landes. Ich kann mich nicht mehr so richtig konzentrieren, ich komme gerade von Katutura dem Township von Windhuk. Dort befindet sich das Ombili Communtiy Center das wir (der Verein, in dem ich bin) unterstützen. Mit dem Taxi komme ich herum. Das kostet umgerechnet zwei Euro. Billig, aber nicht sicher, wenn man niemanden kennt. Mein Taxifahrer hier heißt Once. Genau, das bedeutet einmal. Darling, Gift oder gar Misstake: so heißen die Leute hier. Once wurde mir empfohlen und ist zuverlässig. Ein netter junger Mann, vielleicht Mitte zwanzig. Will wissen, wie das Wetter ist in Deutschland und was ich hier mache, ob die Regierung mich geschickt hat, zum Helfen. Ich erzähle ihm von dem Projekt, und was wir tun: in Katutura eine Suppenküche unterstützen. Findet er gut. Er will wissen, wie das in Deutschland ist, ob man einfach ein Business am Straßenrand eröffnen kann wie hier: einen Stand, an dem Flip-Flops, Tomaten, Zwiebeln und Handyhüllen verkauft werden. Nein, sage ich, das geht nicht. Wie viel ein Taxifahrer verdient in Deutschland und wie das so ist. Er möchte gerne dorthin und als Taxifahrer arbeiten. Ich sage ihm, es ist das Gleiche wie in Namibia. Das ist eine Lüge, aber was soll ich sonst sagen? Er zählt die Dollarscheine unter dem Lenkrad, so schlecht scheint es ihm nicht zu gehen. Außerdem besitzt er ein kleines Geschäft, das Lebensmittel verkauft. Und ob in Deutschland alles besser ist? Ich dachte auch mal, dass es woanders besser ist: Sonniger, das muss doch schön sein, in Namibia zu leben. Jeden Tag Sonne und dieses Easy-Going-Lebensgefühl. Er denkt vielleicht, das muss doch toll sein, in Deutschland zu leben, viel Geld machen, und dann wieder zurückkommen nach Namibia, da ist er dann reich.
Namibia als Nabel der Welt? Das war mal mein Nabel, hier wollte ich das große Hilfsprojekt starten. Nun ist es ein kleines Projekt geworden, ein unterstützendes Projekt. Durchaus sinnvoll, aber ständig muss nachjustiert werden. Umdenken und ausprobieren.
Anstatt ein Grundstück zu kaufen, auf dem wir ein Gebäude für eine eigene Suppenküche mit Nachmittagsbetreuung und Theater- und Kunstunterricht bauen unterstützen wir (der Verein) nun die bestehenden Strukturen:
Der Hof des Community Center Ombili hier wurde gepflastert und ein Dach gebaut.
Es gibt dort einen Garten, hier wird Spinat angebaut. Der Erlös geht an das Community Center.
Ein Kindergarten befindet sich auf dem Grundstück.
Es gibt eine Fußballmannschaft und einen Chor.
Creabuntu organisiert Theaterunterricht.
Durch Schauspielunterricht sollen die Kinder lernen, sich auszudrücken, in der Öffentlichkeit zu sprechen. Selbstbewusster werden und ihre Schüchternheit überwinden. Die bestehenden Ressourcen nutzen, das ist das Ziel. In der Suppenküche helfen viele Ehrenamtliche. Eine davon ist Paulina, sie ist super mit den Kindern. Singt mit ihnen, bringt ihnen spielerisch das ABC bei. Paulina war als Kind in der Suppenküche und ist dort teilweise aufgewachsen. Jetzt hilft sie mit und hat wirklich ein Händchen für die Kinder. Sie erzählt mir, dass der einzige Ort, wo es Essen gab, die Suppenküche war. Zuhause bei ihrem Onkel gab es nichts. Sie ist alleinerziehend und arbeitet als Putzfrau. Die Idee: Meine Theaterlehrerin Elzaan soll sie ausbilden, damit sie mit den Kindern Theaterspielen kann.

 

Neuigkeiten:

Meeting in Pandemie-Zeiten

 

Das Lehrer-Team mit Elke Reinauer, Kunstlehrerin Elisia, Schauspiellehrer Fellemon und Elzaan. Fellemon ist unser Neuzugang, er soll sich um die Jungs kümmern, die oft keinen männlichen Ansprechpartner haben. Er ist ausgebildeter Schauspieler und auch ehrenamtlich in der Suppenküche tätig.

2020 war ein Jahr, in dem viele große Ziele der gemeinnützigen Organisation Creabuntu auf Eis gelegt werden mussten. Die großen Pläne wichen einem Notfallplan, stattdessen musste Hilfe in der Grundversorgung geleistet werden.
Creabuntu das Projektes, das seit 2017 eine eingetragene NGO in Namibia ist, und von Elke Reinauer gegründet wurde mit dem Ziel, eine Kunstschule in Namibia aufzubauen. Im Jahr 2018 wurde die Kids Soupkitchen im Stadtteil Katutura in den Verein Creabuntu integriert, um Ressourcen zu bündeln, den Output zu steigern und größere Perspektiven zu ermöglichen. Die Suppenküche wird geleitet von Samuel Kapepo, und sie wird unterstützt vom Verein Kultur, Bildung und Freizeit e.V. dessen Vorsitzender Sebastian Umbach ist. Ziel der Kooperation ist der Erwerb eines Grundstückes in Katutura, finanziert über die in Deutschland eingeworbenen Spendengelder, zur Gründung einer Jugendkunstschule, mit Suppenküche und sozialem Zentrum, das Beratung und Schulunterstützung anbietet. Aktuell basiert die Arbeit von Creabuntu auf den zwei Säulen: Theater- und Kunstworkshops sowie der Suppenküche. Außerdem kooperiert Creabuntu mit dem Verein Tangeni Shilongo e.V., der verschiedene Projekte in Namibia unterstützt. 
Die Theater- und Kunstworkshops finden zwei Mal wöchentlich im Waisenhaus "Hope Village" statt. Theaterlehrerin Elzaan de Wee und die Künstlerin Elisia Nghidishange unterrichten die Kinder im Alter von zehn bis 16 Jahren. Ziel ist es, dass durch Kunst und Theater starke Persönlichkeiten entwickelt werden, und die Kinder Fähigkeiten wie Selbstbewusstsein, Disziplin, Kreativität und Selbstausdruck lernen. Creabuntu arbeitet mit namibischen Lehrern zusammen, damit die Kinder zudem Vorbilder bekommen. 
 
Nachdem es zwei Mal einen Lookdown gab, und Unterricht ausfiel, hoffen Kinder, Lehrer, und Vereinsmitglieder, dass sich die Lage nun stabilisieren wird. In der Corona-Krise gehe es vor allem darum, dass Land wiederaufzubauen und armen Familien zu helfen, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Durch den Lockdown fiel das Geschäft für viele Frauen, die als Straßenhändlerinnen arbeiten, oder Kunsthandwerk an Touristen verkaufen, aus. Dank einiger Spenden konnte Creabuntu Lebensmittelpakete besorgen und auch das Honorar der namibischen Dozenten bezahlen. 
Creabuntu kooperiert außerdem mit der Suppenküche von Samuel Kapepo in Katutura. Diese erhielt nun Unterstützung von der Deutschen Botschaft in Namibia. 

Zur Unterstützung bedürftiger Familien wurden 2700 Euro aus dem Kleinstprojektefonds für den Kauf von Lebensmittelpaketen zur Verfügung gestellt. Die Pakete wurden kürzlich von der gemeinnützige Organisation Creabuntu an Bewohner der informellen Siedlung Freedomland in Katutura verteilt. Da die Suppenküche derzeit nicht wie sonst Essen kochen und ausgeben kann, wurden über einen Zeitraum von vier Wochen Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt. Langfristige Ziele der Organisation sind, eine Kunstschule mir Nachmittagsbetreuung aufzubauen, die Unterrichtsmodelle zu erweitern, mehr Lehrer einzustellen, um den Kindern mehr Unterricht zu bieten.

Geschichte und Erfolge:

Der Anfang:

Elke Reinauer hatte die Idee, Theater- und Kunstworkshops im Township anzubieten, nach dem sie 2015 zum ersten Mal nach Namibia reiste, um dort als Journalistin zu arbeiten und das Land sie tief beeindruckte. 

2016 bis 2017:

Elke Reinauer gibt Theaterworkshops am BNC- Nachmittagszentrum.

Theateraufführung über alltägliche Probleme in der Dr. Frans Indongo Schule (Katutura).

Ausflug für zehn Kinder aus Katutura ins Nationaltheater Windhoek, gemeinsames Anschauen des Musicals „District Six“.

Der Verein "Tangeni Shilongo e.V." nimmt Creabuntu unter sein Dach.

2018

Elke Reinauer veranstaltete mit der Soupkitchen von Samuel Kapepo ein Weihnachtsfest für die Kinder in Katutura.

Creabuntu wird als NGO in Namibia registriert, mit dem Ziel, eine Kunstschule aufzubauen. Weitere Theaterkurse finden statt, ein Team aus Lehrern entsteht, die im Township unterrichten. 

Die Suppenküche von Samuel Kapepo und die NGO schließen sich zusammen, um Ressourcen zu bündeln. Der Verein Kultur, Bildung und Freizeit e.V. steht hinter der Suppenküche und wird Teil von Creabuntu. Das Ziel: Eine Kunstschule mit Suppenküche in Katutura. 

2019

Nun finden Theater- und Kunstworkshops das ganze Jahr über im Waisenhaus "Hope Village" statt. Ein Team aus namibischen Lehrern unterrichtet, Elke Reinauer kümmert sich um das Organisatorische.

Die Suche nach einem Grundstück beginnt.

2020

Corona-Pandemie und Lebensmittel-Hilfe an bedürftige Familien. Nach dem Lockdown finden die Theater- und Kunstworkshops weiterhin statt.